2026-04-03 https://www.spiegel.de/wirtschaft/bundesregierung-lebenserwartung-steigt-langsamer-als-rentenalter-a-bdc7561a-7bea-4b9b-8446-bc477f9516fc HaiPress


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Ein älteres Ehepaar läuft durch eine Unterführung in München
Foto: Michael Nguyen / NurPhoto / dpa / picture alliance
Das Rentenalter steigt nach offiziellen Daten derzeit schneller als die Lebenserwartung. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor,die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.
Laut Statistik hatten 65-Jährige in Deutschland zuletzt Aussicht auf weitere 19,4 Lebensjahre. Dieser Mittelwert der Jahre 2022 bis 2024 lag nach einigen Schwankungen auf demselben Niveau wie zehn Jahre zuvor. Das gesetzliche Alter für eine abschlagsfreie Rente wurde allerdings seit 2012 schrittweise um mehr als ein Jahr angehoben. Auch der tatsächliche Rentenstart verschob sich binnen zehn Jahren im Schnitt um gut 1,3 Jahre nach hinten.
Die Linkenabgeordnete Sarah Vollath hatte die Kleine Anfrage gestellt,um Rufe aus der Regierung nach einer weiteren Erhöhung des Rentenalters zu kontern. So hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im September mit Blick auf ein Papier ihres Beraterkreises erklärt,»dass wir angesichts einer höheren Lebenserwartung länger arbeiten müssen«.
Vollath hält dem entgegen: »Das stimmt einfach nicht.« Aus der Antwort der Regierung auf ihre Anfrage schließt sie: »Die Lebenserwartung stagniert. Gleichzeitig steigt die Regelaltersgrenze schon jetzt immer weiter an.«
Die vollen zwei Jahre Zugewinn an Lebenszeit sind nach Angaben der Regierung in verschiedenen Rechenszenarien für Männer frühestens im Jahr 2035 und spätestens im Jahr 2056 erreicht. Für Frauen dauert es im optimistischsten Szenario bis 2039 und im negativsten bis 2069.
Für Männer lag die Lebenserwartung in Westdeutschland durchweg etwas höher als in Ostdeutschland (Westen: 17,8; Osten 17,2). Bei Frauen ist es umgekehrt (Westen: 20,8; Osten: 21,1).
Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek argumentiert,dass eine weitere Erhöhung des Rentenalters eine Schieflage verschärfen würde. Es gebe nicht nur regionale,sondern auch soziale Unterschiede: »Niedriges Einkommen und niedriger Bildungsstand sowie schlechte Arbeitsbedingungen und Wohnsituation beeinflussen die Gesundheit und damit auch die Lebenserwartungen erheblich«,sagte sie.
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Die Regierung ließ in ihrer Antwort offen,ob es tatsächlich zu einer weiteren Anhebung des Rentenalters kommt. Mit der Frage befasse sich die Alterssicherungskommission,deren Vorschläge man abwarte,hieß es.
naw/dpa