2026-05-28 https://www.spiegel.de/wirtschaft/deutschland-bietet-zu-wenig-chancen-fuer-start-ups-a-5f79a56f-99cd-4e98-a259-3bca26027f0b HaiPress


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Start-ups präsentieren beim »Ruhrsummit« ihr Businessmodell
Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services / IMAGO
Über Unternehmensgründungen könnten Universitäten und Forschungseinrichtungen einer aktuellen Untersuchung zufolge deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen als bislang. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Denkfabrik AlpMomentum,des Wagniskapitalgebers Redstone,der Technischen Universität München und der Universität Trier.
Die Autoren haben ermittelt,wie viele erfolgreiche Gründungen in einem Verlauf von zehn bis zwölf Monaten im vergangenen Jahr auf 1000 europäische Universitäten und 50 öffentliche Forschungseinrichtungen entfallen. Dabei stellen sie große Unterschiede fest. Pro 100 Millionen Euro Budget variiert die Zahl gegründeter Start-ups demnach zwischen 1 und 80.
Besonders gut schneiden,nicht ganz überraschend,Business Schools ab,die viele angehende Unternehmer für die Ausbildung wählen dürften. Danach gilt: »Je größer die Einrichtungen werden,desto ineffizienter wird es«,wie Redstone-Gründer Michael Brehm erklärt. Relativ schlecht schneiden öffentliche Forschungseinrichtungen ab.
»An Frühphasenkapital kommt man in Deutschland über staatliche Stipendien schon ganz gut«,sagt der Wirtschaftswissenschaftler Jörn Block von der Universität Trier,der an der Untersuchung beteiligt war. »Schwieriger wird es,wenn man wachsen will.« Das sei für die Fragestellung der Untersuchung zwar zunächst nachrangig,könne aber doch eine Rolle spielen. »Wenn ich weiß,dass ich hier nicht wachsen kann,verzichte ich vielleicht auf die Gründung oder gehe gleich woanders hin. Gerade im Bereich Biotech wandern viele in die USA ab.«
Mehr Gründungen hätten dem »Redstone University Startup Index« zufolge große wirtschaftliche Vorteile. Wie groß,das beziffern die Autoren anhand einer Hochrechnung,bei der sie annehmen,dass alle Universitäten und Forschungseinrichtungen so gut abschneiden würden wie die obersten 10 Prozent,die sich ihrerseits noch leicht verbessern. Das sagt allerdings nichts aus über die tatsächlichen Voraussetzungen der untersuchten Forschungseinrichtungen und unterschiedliche Forschungs- und Lehrschwerpunkte.
Innerhalb der nächsten zehn Jahre könnten so mehr als 445.000 zusätzliche Start-ups entstehen,mehr als 13 Millionen Arbeitsplätze,mehr als 5 Billionen Euro extra Wirtschaftsleistung und mehr als 9 Billionen Euro zusätzlicher Unternehmenswert sowie mehr als 1,5 Billionen Euro Steuereinnahmen.
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Auf die Frage,was Gründungen wahrscheinlicher macht,verweist Forscher Block auf die TU München,die unter den großen Universitäten einen der vorderen Ränge belegt. »Da gibt es Geld,Kontakt zu Vorbildern und Ausbildungsstrukturen,außerdem hat die Uni damit geworben.« Häufig habe die Uni-Welt wenig mit der Wirtschaft zu tun. »Das könnte man ändern. Bei uns an der Uni Trier kann man zum Beispiel in jedem Studiengang das Fach Gründung belegen.«
Investor Brehm glaubt,es gehe weniger um Geld als um einen Mentalitätswandel. »Wir brauchen im Studium und an den Universitäten mehr unternehmerisches Denken«,argumentiert er. Das werde immer wichtiger,auch wenn man gar keine Firma gründen wolle. »Auch Studiengänge wie Philosophie werden aus Gründungssicht auf einmal hochrelevant,wenn es um Fragen des Zusammenspiels von Mensch und Maschine geht«,sagt Brehm voraus.
mik/dpa